Parkinson - Tipps für den Alltag
Leben mit Parkinson
Für den Morbus Parkinson gibt es noch immer keine Heilungsmöglichkeit, doch steht eine Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung, mit denen sich die Symptome über einen langen Zeitraum effektiv lindern lassen. So ist dank moderner Therapien die Lebenserwartung von Parkinson-Patienten gegenüber jener von gesunden Menschen kaum reduziert. Die Diagnose Parkinson bedeutet also für die Betroffenen, jahrelang oder sogar jahrzehntelang mit einer chronischen Krankheit zu leben.
Wie wohl sie sich fühlen, hängt natürlich entscheidend von der optimalen medizinischen Behandlung ab. Doch auch die Patienten und ihr Umfeld können viel dazu beitragen, angefangen von der regelmäßigen Einnahme der Medikamente. Hier einige Tipps und Hinweise für das Leben mit Morbus Parkinson.

Sport und Bewegung
Motorische Probleme stehen im Mittelpunkt der Parkinson'schen Krankheit, und dementsprechend sind Bewegung und sportliche Betätigung ein ganz wichtiger Faktor, um die Mobilität bestmöglich zu erhalten. Je früher man beginnt, desto besser.
Das Grundprinzip lautet dabei: mäßig aber regelmäßig. Ansonsten gilt: Es ist alles erlaubt, was Freude macht, wobei Nordic Walking sicherlich für die meisten Betroffenen besser geeignet ist als Volleyball oder Tennis. In der Gruppe fällt es oft leichter, sich zu motivieren. Viele Sportvereine und Volkshochschulen bieten mittlerweile Kurse an, die sich gut für Parkinson-Patienten eignen.
Eine ganz wichtige Säule der Behandlung ist die Krankengymnastik. Ein geschulter Physiotherapeut bringt den Betroffenen spezielle Bewegungsübungen bei und überprüft auch, ob sie richtig durchgeführt werden. Das ist wichtig, damit sich keine falschen Bewegungsmuster einschleichen können.

Vermeiden von Stürzen
Dass Gang und Körperhaltung sich im Laufe der Erkrankung verändern, gehört zu den typischen Erscheinungen der Krankheit. Im Zuge dessen stellen sich Unsicherheiten beim Gehen ein, die Gefahr eines Sturzes nimmt zu. Diese oftmals folgenschweren Stürze zu verhindern, ist von besonderer Bedeutung. Dementsprechend sicher sollte auch das häusliche Umfeld gestaltet sein: Auf dem Boden herumliegende Gegenstände haben in der Umgebung eines Parkinson-Patienten nichts verloren. Rutschigen Untergrund, wie etwa nasse Fliesen gilt es zu meiden, Teppiche müssen mit Teppichstoppern versehen sein.
Beim Gehen sollten die Kranken darauf achten, ihre Arme aktiv mitzuschwingen: den linken Arm mit dem rechten Bein nach vorne und umgekehrt. Außerdem sollten sie sich bemühen, die Füße nicht auf dem Boden schleifen zu lassen, sondern diese aktiv anzuheben. Schnelle Drehungen bergen Sturzgefahr; einen kleinen Kreis zu gehen, erfüllt denselben Zweck und ist sehr viel sicherer. Gerade in weiter fortgeschrittenen Stadien der Krankheit vermag eine Gehhilfe, den Betroffenen Sicherheit zu geben und trägt somit viel zur Aufrechterhaltung der Mobilität bei.

Das Freezing-Phänomen - und was man dagegen tun kann
Nicht wenige Parkinson-Patienten leiden unter dem so genannten Freezing-Phänomen. Der Begriff kommt vom englischen Wort für Einfrieren und beschreibt ein kurzfristiges Erstarren mitten in einer Bewegung. Etwa so, als ob die Betroffenen gegen eine innere Mauer stoßen würden. Auf gerader freier Strecke ist das Freezing selten. Es tritt vor allem auf, wenn der Raum enger wird, also etwa beim Durchschreiten einer Tür.
Ein paar kleine Tricks können helfen, wieder in Gang zu kommen: Laut gesprochene Kommandos - wie etwa "Jetzt den rechten Fuß nach vorne!" - sind eine Möglichkeit. Eine andere Option ist es, über etwas hinwegzusteigen. Das kann der Fuß einer anderen Person sein, es gibt aber auch spezielle Gehhilfen, bei denen sich am unteren Ende ein kleiner Querbalken ausklappen lässt. Hilfreich ist es weiters, im Takt zu einem an die Gehgeschwindigkeit angepassten Rhythmus zu laufen, den zum Beispiel ein Metronom oder ein tragbares Musikgerät (mp3-Player, etc.) gibt. Die Betroffenen zu ziehen oder anzuschieben verstärkt das Freezing-Phänomen eher.

Das richtige Essen
Grundsätzlich gilt für Parkinson-Patienten was für jeden anderen Menschen auch gilt: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist für das Wohlbefinden von großer Bedeutung. Eine spezielle Diät muss man beim Morbus Parkinson nicht einhalten, doch gibt es einige Dinge, die Betroffene beachten sollten.
So können manche Nahrungsmittel die Aufnahme bestimmter Medikamente aus dem Darm einschränken und damit deren Wirkung vermindern. Das gilt vor allem für die L-Dopa-Präparate. Sie dürfen nicht zusammen mit eiweißreicher Kost, das heißt Fleisch- und Milchprodukten sowie fischreichen Mahlzeiten, eingenommen werden. Aus diesem Grund sollte man die Einnahme der Medikamente zeitlich versetzen, entweder eine halbe Stunde vor dem Essen oder eineinhalb Stunden danach. Genaueres spricht man am besten mit dem behandelnden Arzt ab.
Wegen der verringerten Beweglichkeit der Muskulatur des Magen-Darm-Traktes bzw. auf Grund von Nebenwirkungen einiger Medikamente leiden nicht wenige Parkinson-Patienten unter Völlegefühl und Verstopfung. Ballaststoffreiche Nahrung (Gemüse, Kartoffeln, Getreide) und ausreichendes Trinken (mindestens eineinhalb bis zwei Liter am Tag) beeinflussen diese Beschwerden positiv. Darüber hinaus ist es bekömmlicher, statt weniger großer Mahlzeiten mehrere kleine zu sich zu nehmen.

Reisen
Prinzipiell spricht nichts dagegen, dass Menschen mit Parkinson verreisen, wenn sie das möchten. Vor allem längere Reisen erfordern jedoch eine gewisse Planung und sollten mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Ganz wichtig ist es, ausreichend Medikamente mitzunehmen und diese auch besser bei sich zu tragen, als sie im Reisegepäck zu verstauen. Da die Medikamenten-Namen von Land zu Land variieren, ist es sinnvoll, eine Liste mit den internationalen Bezeichnungen der Präparate mitzunehmen.
Wer sich vorher informiert, wie und wo er oder sie im Notfall medizinische Hilfe bekommen kann, fühlt sich auf der Reise sicherer. Es kann passieren, dass durch den Morbus Parkinson die Temperatur-Regulation des Körpers beeinträchtigt wird, was dazu führt, dass man heißes Klima unter Umständen nicht mehr so gut verträgt wie vor der Erkrankung. Ansonsten gilt, was für jede Urlaubsreise gelten sollte; keine Hektik und keine übermäßigen Anstrengungen.

Arzt, Patient & Angehörige als Team
Für Ärzte und Verwandte ist es nicht immer ein Leichtes, die Situation des Patienten zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung richtig einzuschätzen. Darum: Wenn Sie Veränderungen in Hinblick auf Ihr körperliches und/oder seelisches Befinden bemerken, besprechen Sie diese mit Ihren Angehörigen, damit sie sich darauf einstellen und Sie dementsprechend unterstützen können. Besprechen Sie Dinge, die Ihnen auffallen, aber auch immer mit Ihrem medizinischen Partner, der Ihnen in solchen Situationen viel an Ungewissheit nehmen und die Therapie gegebenenfalls neu auf Ihre ganz persönlichen Bedürfnisse abstimmen kann.
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